Chile
Am Sonntag 8. November 2009 ist
es soweit!
Die Bilder meiner Chile-Reise werden in der Fass-Galerie in Schaffhausen ausgestellt.
Es ist mir nicht leicht gefallen “nur” zwölf Bilder auszuwählen die einen repräsentativen Querschnitt der Reise zeigen. Ich habe vor allem Landschaftsbilder ausgewählt welche die unglaubliche Schönheit des Landes widerspiegeln.
Santiago, die Hauptstadt, ist nicht Chile! Hier leben mehr als ein Drittel der gesamten Bevölkerung Chiles, rund 6 Millionen Menschen. Die Stadt hat alles was zu einer pulsierenden Grossstadt gehört. All die Einkaufmeilen, die teuren Geschäfte. Hier hat es in einem Quartier mehr Restaurants und Bars als wir auf unserer Reise durch’s Land insgesamt angetroffen haben! Wären wir zuerst nach Santiago gekommen und hätten angenommen, ganz Chile wäre so, wären wir wohl etwas enttäuscht gewesen. Das Leben in der Pampa Patagoniens oder in der Wüste im Norden ist ganz anders, einfacher und beschaulicher.
Mitten in der Stadt liegt der Cerro San Cristóbal ein Hügel der mit einer Standseilbahn zu erreichen ist. Die riesige Marienstatue wacht über der Stadt.
Etwa achtzig Kilometer südlich von Santiago liegt das “Valle Colchagu” ein riesiges Weinanbaugebiet mit tausenden von Hektaren Wein. Wir besuchten ein Weingut: “Emiliana“. Das ist das grösste biologische Weingut der Welt mit 700 ha Reben. Die Weine werden in Demeter-Qualität erzeugt. 90% der Weine sind für den Export in die ganze Welt bestimmt. Auf der Führung durch das Gut werden uns die naturnahen Produktionsverfahren gezeigt und wir erhalten einen Einblick in die Kelterung und Lagerung der edlen Tropfen.
Was natürlich bei einer solchen Tour nicht fehlen darf ist die Weinprobe. Wie wohl unschwer erkennbar ist, munden die verschiedenen Weine!
Arica, die nördlichste Stadt Chiles ist ein wichtiger Ausgangspunkt für den internationalen Handel. Es liegt einerseits nur zwanzig Kilometer von der peruanischen Grenze entfernt, und ist andererseits für Bolivien ein wichtiger Zugang zum Meer. Die Strasse nach La Paz in Bolivien führt durch die Anden über einen Pass von fast 5′000 Meter. Hier quälen sich die Lastwagen über die extrem steilen Steigungen – und bleiben häufig liegen. Viele LKW waren früher in Europa im Einsatz. Es ist interessant all die noch sichtbaren Beschriftungen zu studieren.
Auf dem Weg nach Bolivien liegt auf über 3500 Meter über Meer das Dörfchen Putre. Hier haben wir unsere Unterkunft. Es ist wirklich sehr abgelegen, immerhin gibt es zwei Restaurants zur Auswahl (auch wenn eines davon nicht immer geöffnet hat). Die Höhe macht uns schon zu schaffen. Man muss wirklich sehr langsam gehen, sonst gerät man sofort ausser Atem.
Putre liegt am Eingang zum Lauca Nationalpark. Im Park liegt der höchste See der Welt: der Lago Chungara auf 4517 Meter über Meer. Am Rande des Sees bestaunen wir den Vulkan Parinacota der mit seinen 6350 Metern alles überragt. Er leuchtet strahlend weiss im Sonnenlicht. Leider ist er etwas scheu und versteckt sich immer wieder in den Wolken. Diese werden vom Atlantik her an die Anden gedrückt und bringen immer wieder Gewitter und Regen. Dies weil in Bolivien Winter ist, obwohl in Chile erst Spätsommer ist – ziemlich verwirrlich, mit den Jahreszeiten hier.
Im Park sind grosse Herden von Vicunas und Alpacas am weiden. Obwohl sehr hoch gelegen ist es feucht und hat ausgedehnte Moorgebiete, welche als “Bofedales” bezeichnet werden. Diese bieten den Tieren ausgezeichnete Weidegründe. Der Ohrschmuck der Tiere – die farbigen Wollfäden, dienen der Kennzeichnung, so können die Tiere vom jeweiligen Besitzer schnell identifiziert werden. Also die Dame auf dem Bild hat schon ein wenig ein Problem mit der Zahnstellung, …
… Aber dafür sind die Kleinen um so süsser. Aus der Wolle der Baby-Alpacas werden flauschig weiche Pullover gewoben.
Hier unser momentanes Fahrzeug: Toyota Hilux 4×4 Turbo-Diesel. Nach all den verschiedenen Trucks die wir durchprobiert haben erhält der Hilux den 1. Preis! Wir haben alle Features ausgiebig gebraucht. Hier im Altiplano war der Kriechgang besonders hilfreich, da duch den häufigen Regen die Pisten sich in steile Schlammrutschbahnen verwandelt haben. Auch die grosse Bodenfreiheit ist super. Wir mussten einen Fluss durchqueren und waren nicht wirklich sicher wie tief er nach dem Gewitter war! Der Turbodiesel ist spitze für die grosse Höhe hier. Wenn den Benzinern “der Schnauf” ausging sind wir flott vorbei gezogen.
Auf unserem Weg an die nördliche Grenze von Chile erleben wir gegensätzlichen Perspektiven des Landes, unterschiedlicher fast nicht möglich.
In der nähe von Arica, direkt an der peruanischen Grenze haben vor circa 7′000 Jahren Ureinwohner gelebt, die ihre Toten für die Bestattung einbalsamiert haben. Die noch erhaltenen Mumien sind die ältesten der Welt, älter noch als die Ägyptischen. Auf dem Bild ist die Mumie eines Fischers zu sehen, mit seinen Handwerksgegenständen als Grabbeigaben. Es ist erstaunlich wie gut die Textilien erhalten geblieben sind. Selbst die Farben der fein gewebten Kleider sind noch zu bestaunen.
Keramik und Waffen zur Jagd, sowie Kleidungsstücke und Schmuck sind im archäologischen Museum in Azapa Tal ausgestellt. Die Indianer wurden zur Zeit der spanischen Kolonialisierung dezimiert und sind heute als eigenständiges Volk verschwunden. Arica war ein wichtiger Hafen der Spanier. Hier wurde das Silber das in den Minen abgebaut wurde auf Schiffe verladen und auf den Weg nach Spanien geschickt.
Minen waren auch in einer anderen Epoche zentral: Salpeter war das “Gold” des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Als Beispiel dafür wurde die Salpetermine “Humberstone”, in der Nähe von Iquique erhalten. Heute ist sie im UNESCO Weltkulturerbe und als Museum zu besichtigen. Es ist kaum nachvollziehbar unter welchen Bedingungen die Menschen in diesen Minen gearbeitet haben. Hitze, Staub und giftige Substanzen haben das Leben der Arbeiter verkürzt.
Der Herstellungsprozess des Salpeters, vom Mahlen über die chemischen Prozess in den Becken ist immer noch gut zu sehen. Die Mine hatte eine eigene Strom- und Krafterzeugung. Hier ist das Herzstück einer (von zwei) Diesel zu sehen, made in Switzerland – Sulzer! Beim durchstreifen der Mine haben wir etwas ein beklemmendes Gefühl, oder wie Christine es formuliert: man hört noch das Stöhnen und Seufzen der gequälten Seelen der Arbeiter.
Hundertdreissig Kilometer südlich von Antofagasta, in den Küstenkordilleren liegt das europäische Observatorium “Paranal”. Die Organisation wird von vierzehn Staaten, darunter auch der Schweiz (hier arbeiten ihre Steuerfränkli…) getragen: ESO (European Southern Observatory). Das Observatorium liegt auf 2600 Meter über Meer, an einem Ort wo es gerade mal fünfzehn Tage im Jahr Wolken hat (Regen, Dunst und Staub gibt es dort nicht).
Vier grosse Teleskope (VLT – Very Large Telescope) der modernsten Bauart, mit 8 Meter Spiegeln können via Computer zu einem einzigen gigantischen Teleskop zusammengeschlossen werden und damit Bilder von bisher unerreichter Auflösung von weit entfernten Himmelskörpern aufgezeichnet werden.
Vor Ort arbeiten etwa 350 Techniker und Wissenschaftler. Das Hauptquartier ist in Garching bei München. Um den Mitarbeitern einen möglichst optimalen Arbeitsplatz zu bieten, die Leute arbeiten meist fünfzehn Tage am Stück und haben dann sechs Tage frei, wurde ein Hotel unter dem Boden errichtet. Nach oben ist eine transparente Kuppel der einzige Eintrittspunkt für Tageslicht. Da Fremdlicht für die Sternenbeobachtung störend ist, wird in der Nacht die ganze Kuppel mit einer Plane abgedeckt. Aussen ist in der Wüste keine Pflanze zu finden, innen ein Schwimmbad umrahmt von exotischen Bäumen.
Von der Hafenstadt Antofagasta aus fahren wir in die Atacama-Wüste. Diese Gegend soll der trockenste Platz auf Erden sein, mit nicht messbaren Niederschlagsmengen.
Der Ausgangspunkt für die nächsten paar Tage ist San Pedro de Atacama. Das Dorf ist ziemlich klein und ganz auf den Tourismus ausgerichtet. Dank strengen Bauvorschriften hat es seinen ursprünglichen Charakter erhalten. Die Häuser sind alle im Adobe-Stil gebaut, also aus Lehmziegel und mit Holzdächern. Es liegt auf 2500 Meter über Meer in einer Hochebene an einem Salzsee.
Ganz in der Nähe von San Pedro ist das Valle de la Luna. Der Name rührt daher, dass es hier wie auf dem Mond ist. Karge Fels- und Geröllformationen wechseln sich mit riesigen Sanddünen ab. Es ist keine Pflanze und kein Tier zu finden. Am Schönsten ist das Gebiet bei Sonnenuntergang. Die untergehende Sonne verzaubert die tagsüber monoton erscheinenden Felsen in warmen Rot-, Braun und Ockertönen. Kaum ist die Sonne hinter den Bergen verschwunden sinkt das Thermometer um zwanzig Grad.
Der Salzsee, Salar de Atacama, erstreckt sich auf einer Fläche von 300 km2. Unter ihm sollen 40% aller Lithium Reserven der Welt liegen. Der See ist grösstenteils eingetrocknet, scharfkantige braun-weisse Schollen sind aufgebrochen und erstrecken sich bis zum Horizont. Eine lebensfeindlichere Umgebung kann man sich fast nicht vorstellen. Und doch bergen die Salztümpel reiches Leben. Kleinlebewesen, Krill, bilden die Nahrungsgrundlage für zahlreiche Wasservögel wie zum Beispiel drei verschiedenen Flamingoarten.
Im Osten der Atacama-Wüste erheben sich die Anden steil aus der Hochebene. Ein Vulkan reiht sich an den andern. Viele von ihnen sind noch aktiv, mit Eruptionen die nur wenige Jahre zurückliegen. Ein Tagesausflug zu zwei Vulkanen, dem Miscanti und Miniques (beide über 5600 Meter hoch) führt uns auf über 4500 Meter. Hier ist die Luft schon ziemlich dünn und auf einer kleinen Wanderung geht uns die Puste schon bald aus. Es lohnt sich aber alleweil, das Bergpanorama und die tiefblauen Seen entschädigen uns für alle Anstrengung.
Am nächsten Morgen sind wir um 03:15 auf den Beinen (da soll noch einer von Ferien sprechen) und quälen unseren Pick-up über hundert Kilometer Schotterpiste in die Anden. Die Tatio Geysire sollen bei Sonnenaufgang am schönsten, sprich aktivsten sein. Leider hat es in der Nacht geregnet und dichter Nebel liegt über dem Talkessel. Es ist einfach nur kalt. Der Nebel friert am Auto an und wir haben das Gefühl wieder in der winterlichen Heimat zu sein. Mit etwas Geduld löst sich der Nebel auf und ein herrliches Vulkan-Panorama entfaltet sich. Die Geysire blubbern und spucken und die Sonne wärmt uns.
Der letzte Ausflug von San Pedro aus führt uns in Richtung Argentinien. Eine Hauptverbindung ins Nachbarland führt über einen Pass (über 4800 Meter über Meer) auf ein Hochplateau. Hier wurde ein Lavafeld von Wind und Sand abgetragen. Nur die härteren Gesteine hielten Stand. Es sind skurile Säulen von enormer Höhe stehen geblieben.
Auf dem Weg zurück ans Meer legen wir einen Halt in Calama ein. Die Stadt existiert nur weil die grösste Kupfermine der Welt hier ist: “Chuquicamata”. Das Loch das hier seit 1915 gegraben wird ist aus dem Weltraum zu sehen! Täglich werden 600´000 Tonnen Gestein abgebaut und das Kupfer daraus gelöst. Über 70% des weltweit abgebauten Kupfers stammt aus dieser Mine.
Hier ist alles in der Superlativen. Die grössten Bagger und die grössten Lastwagen. Da schlägt das Bubenherz höher. Wir können an einer Führung teilnehmen. Es ist beeindruckend die gigantischen Lastwagen an sich vorbei donnern zu sehen. Als Grössenvergleich: auf dem Bild sieht man einen “normalen” 40 Tönner der gerade mal bis zur Radnabe vom “grossen” Laster geht.
…und zum Schluss noch die junge Dame mit dem keck aufgesetzen Schutzhelm. Ich habe gehört sie werde diesen nun immer zur Arbeit tragen (wegen unzufriedenen Kunden und wenn der Chef mal einen schlechten Tag hat).
Ein Kreis hat sich geschlossen. Wir sind wieder in Valparaíso wo wir unsere Reise begonnen haben. Auf dem Weg in den Norden haben wir hier nochmals einen Zwischenstopp eingelegt. Wir sind wieder im “El Mirador” abgestiegen, es war ein wenig wie nach Hause zu kommen. Wir wurden schon fast familiär begrüsst und wir haben unser altes Appartement wieder bekommen (mit dem traumhaften Aussicht auf die Bucht). Interessant ist, wie sich unser Blick in den sechs Wochen verändert hat. Als wir das erste Mal hier waren, war alles noch fremd und vieles haben wir nicht genau verstanden, nun aber betrachten wir die Stadt mit ganz anderen Augen.
Da wären zum Beispiel die Strassenköter oder wie die Chilenen sagen: “Perro Callejero”. Davon gibt es Millionen. Abends beginnt jeweils das grosse Konzert, es wird gekläfft was das Zeugs hält (was mit der Zeit wirklich anstrengend ist). Und dann sind da natürlich die “Hinterlassenschaften” die überall liegen und man muss wirklich aufpassen, dass man nicht dauernd in so einen Haufen tritt.
Aber im Konzert der Grosstadt spielen noch andere Instrumente: die unzähligen “Micro”, Kleinbusse die kreuz-und-quer durch die Stadt jagen. Am Anfang war es etwas verwirrlich für uns wie das genau funktioniert, da es weder Fahrpläne noch Haltestellen gibt. Aber wenn man den Dreh raus hat ist das die coolste Sache der Welt! Also: vorn an der Windschutzscheibe sind Strassennamen angeschrieben. Nun schaut man auf dem Stadtplan wo diese Strasse liegt (und nach ein paar Misserfolgen, sprich Irrfahrten, weiss man wie der Micro dorthin fährt). Dann steht man an den Strassenrand und winkt, und schon reisst der Fahrer eine Vollbremsung, man springt auf und bezahlt die 200-400 Peso (ca. 40-80 Rp) für die Fahrt. Je nach Temperament des Fahrers ist die Fahrt zwischen schnell und Wahnsinn. Der Zustand der Micros ist auch durchzogen: kreischende, sägende Getriebe und stinkende Kupplungen sind die Regel. – Aber wir sind immer sicher angekommen. Da ist der ÖV zuhause schon eher langweilig.
Dann wäre das Kulturelle: Pablo Neruda der grosse chilenische Dichter und Schriftsteller und Regimekritiker. Er ist 1973 gestorben (nur ein paar Tage nach dem Militärputsch). Das Haus ist heute ein Muesum. Die verschiedenen Zimmer sind mit einem Sammelsurium von Erinnerungsstücken gefüllt. Das Ganze schwankt zwischen “schräg” und Kitsch. Auf dem Bild ist die Bar zu sehen. Angeblich durfte nur Pablo dahinter stehen. Das Haus steht in einem hübschen Park mit einer phantastischen Aussicht über Valparaíso.
Auf einem (der 41) Hügel der Stadt ist ein Freilicht Museum wo verschiedene Künstler Wandmalereien, Mosaike und Plastiken erstellt haben. Neben diesen “offiziellen” Kunstwerken findet man viele tolle Grafiti und Malereien in den verwinkelten Gassen und Stiegen.
Aber soviel Kunst und Kultur macht natürlich hungrig. Womit wir bei der Gastronomie gelandet wären. Hier ist es halt wie in jeder grossen Stadt wenn man in die Touri-Fallen tappt ist das Essen schlecht aber dafür teuer. Wenn man aber abseits der Touristenströme ein Lokal erwischt das mehrheitlich von den Einheimischen frequentiert wird, kann man für moderate Preise unglaublich gut essen und trinken! Christine kann es noch nicht ganz glauben, das dieses Fischchen wirklich für sie ganz alleine ist…. Noch ein Wort zum trinken. Was die Chilenen an Wein keltern muss einen Vergleich mit den europäischen Weinen wirklich nicht scheuen. Und wir haben nicht die super teuren Weine getrunken, sondern die bezahlbare Qualität. Also Preis-Leistung ist wirklich hervorragend.
Von Puerto Montt aus fahren wir gegen Norden. Valdivia liegt am Rio Valdiva. Dieser ist sehr breit und fliesst ein paar Kilometer südlich von Valdivia ins Meer. An der Mündung sind zahlreiche Festungen strategisch platziert und haben so einst die Einfahrt nach Valdiva geschützt. Im Castillo von Niebla, dem grössten Fort, zeigt ein kleines Museum wie die Spanier hier gelebt haben und wie die militärischen Anlagen ausgesehen haben.
Die Pazifikküste bei Valdivia ist nur über Schotterpisten erreichbar. Die Häuser sind weit verstreut, mit einer unglaublichen Aussicht auf die endlosen Sandstrände. Die Landschaft erinnert stark an „Big Sur“ in Kalifornien. Die hohen Pazifikwellen brechen sich an den felsigen Kaps oder laufen auf den breiten Sandstränden aus. Im Gegensatz zu Kalifornien sind die Strände aber fast leer und die „Beach Boys“ mit den Surfboards fehlen auch. – Ach ja, der Quadratmeterpreis eines solchen Beachgrundstücks ist unter CHF 10.–
Nun, wenden wir uns von der Küste ab und fahren in die „Chilenische Schweiz“. Also, um das gleich vorweg klar zu machen Es hat hier etwa ebenso viele Schweizer wie in der „Sächsischen Schweiz“. Aber die deutschen Einwanderer prägten die Gegend hier ganz offensichtlich. Wir haben hier im „Hotel am See“ den besten Kuchen (ja, das ist ein Chilenisch-Spanisches Wort) gegessen, und auf der Speisekarte ist Sauerkraut und Kasseler bestens vertreten. Und mein chilenisches Lieblingsbier ist das „Kunstmann“. Die Häuser sind schon fast über-Deutsch im Schwarzwaldstil mit Blumenkistchen vor den Fenstern. Die Feuerwehrautos sind von Deutschland gesponsert und das Gebäude ist angeschrieben „2. Feuerwehrkompanie gegründet 1911“.
Die Gegend hat aber viel mehr zu bieten, als nur eine billige Schwarzwald-Imitation. Nicht zu übersehen ist der Vulkan Villarrica. Das ist so ein richtiger Bilderbuch-Vulkan. Er überragt alle anderen Hügel in der Umgebung und sieht richtig hübsch aus mit seinem Zuckerguss. Ab und zu zeigt sich eine kleine Rauchwolke am Gipfel und kündet davon, dass er immer noch aktiv ist. 1971 hat eine Schlammlawine bei einem Ausbruch ein paar Häuser verschüttet. In den Dörfern rund um den Vulkan sind überall Evakuationsrouten ausgeschildert und am Gemeindehaus in Villarrica zeigt eine Ampel den „Zustand“ des Vulkans an (heute war sie grün). Der Vulkan steht im gleichnamigen Nationalpark. Wir haben eine Wanderung gemacht und sind den Vulkan ein Stück weit hoch geklettert. Für die Gipfelbesteigung hat’s nicht ganz gereicht.
Wo Vulkane sind, sind die Thermalquellen nicht weit. Rund ein Dutzend sind um den Villarrica herum zu finden. Meistens gehören sie zu einem Hotel, und sind mehr oder weniger einfach zu erreichen (gravel roads…). Wir klappern eine Stunde durch arg ausgewaschene Strassen bis wir in einem kleinen, abgelegenen Tal ankommen. Das Hotel ist ganz aus Holz gebaut und hat zwei Theramalbecken. Eines mit 37 Grad, das andere mit 40 Grad heissem Wasser. Beim Eintauchen in das zweite Bad kommt mir der Witz von den beiden Lobstern in den Sinn: ruft der eine dem schon im Kochtopf schwimmenden zu: „How’s the Water Bob?“
Überall verstreut in den Wäldern warten Wasserfälle darauf entdeckt zu werden. Ein beeindruckendes Exemplar mit einer Höhe von 73 Meter (!) haben wir per Zufall gefunden. Er war auf unserer Karte nicht verzeichnet und auch nicht gross ausgeschildert. Wir haben einige besucht und keiner war gleich wie der Andere. Der „Ojos del Caburgua“ ist als Wasserfall nicht so beeindruckend, aber das Becken in welches er sprudelt ist so klar und von so fein schattierten Blautönen, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt.
Im Nationalpark Conguillio, dessen Mittelpunkt ebenfalls ein noch aktiver Vulkan bildet, sind verschiedene Vegetationszonen zu erleben. Der Vulkan Llaima, der erst im Januar 2008 das letzte mal ausgebrochen ist, hat verschiedene Typen von Lavafeldern geschaffen. Das aller neuste ist ein zerklüftetes Gebirge aus harter, messerscharfer Lava. Daneben gibt es riesige Gebiete die aussehen als wären sie mit der Planierraupe plattgewalzt und aus grobem Kies bestehen. An den Vulkanhängen wachsen ab etwa 1200 Meter über Meer die Araukarien, urtümliche Bäume die wohl die Vorgänger unserer Nadelbäume sind. Die “Nadeln” sehen aus wie Schuppen und sind hart und scharf. Die Bäume sind vielleicht 20-25 Meter hoch mit mächtigen Stämmen.
… und das Beste zuletzt!
Auf vielseitigen Wunsch keine weiteren Autobilder mehr (obwohl ich natürlich noch die von unserem aktuellen Flitzer hätte) sondern der Beweis, dass ich nicht alleine unterwegs bin sondern eine treue Begleiterin bei allen Abenteuern habe.
Nachdem wir uns von Patagonien verabschiedet haben fliegen wir von Punta Arenas nach Puerto Montt. Für die gleiche Strecke die wir in über einer Woche zurückgelegt hatten, braucht das Flugzeug gerade mal eindreiviertel Stunden. Der boomende Wirtschaftszweig in Chiloé sind die Lachs- und Muschelzucht. Auf dem Bild sieht man die riesigen Bojenfelder der Muschelzucht gut.
Also gut, das muss jetzt sein: Für all die Spötter die über meinen armen alten Pickup in Patagonien gelacht haben, hier die Antwort: 2 Tonnen Stahl aus Detroit, 3 Liter Maschine, 5000 PS (oder so). Ok, leider ist die Karre für die Ausstellung gebaut und nicht für die Sch(l)otterpisten Chiles. Nach einer Weile off-road leuchtet die “allgemeiner Motorfehler” Warnlampe auf…
Chiloé ist für die Holzkirchen berühmt. Es gibt ein gutes Duzend davon die unter dem Patronat des UNESCO Weltkulturerbe stehen. Es ist spannend zu sehen wie unterschiedlich die verschiedenen Kirchen sind. Einige sind total bunt angemalt, andere sehen eher mitgenommen aus. Eine die wir besichtigen wollten war so baufällig, dass sie nicht betreten werden konnte. Hier ein Link wo alle Kirchen beschrieben sind. (In Spanisch, aber die Bilder sind hübsch).
Die Grösste, und die mit dem schönsten Innenraum, ist die Kirche “San Francisco” in Castor. Unglaublich, alles im Innern ist aus Holz. Nicht nur die Gebäudehülle auch der Altar, die Kerzenleuchter. Alles! Die Kirchen haben einen ganz eigenen Geruch. Nicht nach Weihrauch oder so, es ist das alte Holz, vielleicht die Farben, so ein ganz eigener Geruch, speziell (so ähnlich wie ein altes Holzschiff) aber nicht unangenehm.
Die Kirchen stehen über die ganze Insel verteilt an ganz abgelegenen Orten, und sind meist nur über Schotterstrassen erreichbar. In einem ganz idyllischen Dorf, San Juan, das vielleicht fünfzig Einwohner zählt ist eine grosse Werft ansässig. Die Werftarbeiter haben uns eingeladen das Einbauen einer neuen Planke an einem Fischerboot “mit zu erleben”. Schon spannend zu sehen, dass einerseits auf der ganzen Welt die selben Methoden für diesen Vorgang angewendet werden. Auf der anderen Seite ist es auch ganz unterschiedlich. Es gibt den “Jeffe” und sieben (!) Jungs die auf seine Anweisungen hin Arbeiten ausführen. Irgendwie undenkbar in unseren Breitengraden. Das ist uns generell aufgefallen, dass es überall sehr viel Personal für alles hat. Einen Beifahrer im Bus, die Einpacker im Supermarkt oder jede Menge Servierpersonal im Restaurant. Bei uns zu hause hat man all diese Rollen wegrationalisiert. Wohl nicht immer zum Wohle des Kunden.
Da sind wir nun am südlichsten Punkt unserer Reise angelangt: In Punta Arenas.
Die Stadt ist an einen Hügel gebaut. Von oben hat man einen herrlichen Blick über den Hafen und über die Magellanstrasse bis nach Feuerland. Wir haben von hier aus mit einer kleinen Fähre einen Abstecher nach “Tierra del Fuego” (Feuerland) gemacht. Dort ist es sehr ländlich und es gibt nicht nur wenige Unterkünfte und Verpflegungsmöglichkeiten. Mit der Überquerung der Magellanstrasse ist für mich ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen!
Die Magellanstrasse ist nicht an jedem Tag so friedlich wie auf den Bildern. Das Wetter ändert oft rasch und es können innert kürzester Zeit Orkanböen entstehen. Wir haben das bei unserer Überfahrt nach Feuerland in bescheidenerem Masse erlebt, wir hatten Windstärke 7. Die zahlreichen Wracks welche die Magellanstrasse säumen sind Zeugen von weniger erfolgreichen Durchquerungen der Verbindung Atlantik – Pazifik. Seit der Eröffung des Panamakanales hat diese Passage an Bedeutung verloren. Mit dem aufkommenden Kreuzfahrttourismus sind aber wieder häufiger grosse Schiffe in Punta Arenas anzutreffen.
Etwa 70 km von Punta Arenas entfernt ist eine grosse Kolonie von Magellanpinguinen. Ein Besuch lohnt sich unbedingt. Die putzigen Kerle sind gar nicht menschenscheu und marschieren ungestört an den Besuchern vorbei, oder räkeln sich in der Sonne. Die Jungen sind schon fast erwachsen. Im März löst sich die Kolonie auf und die Tiere migrieren für den Winter in den Atlantik und kehren erst im September wieder hierher zum Brüten zurück.
Uns hat die Weite der Pampa hier gehörig beeindruckt. Nur wenige Kilometer hinter Punta Arenas kann man stundenlang über Schotterpisten rattern ohne ein Dorf, oder auch nur ein Haus zu sehen. Es herrscht eine tiefe Stille nur der Wind ist ein ständiger Begleiter.
Von Puerto Nateles sind es etwa drei Stunden mit dem Auto in den Park “Torres del Paine”, den bekanntesten Nationalpark im Süden von Chile.
Hier unser Vehikel. Wir sind ja sonst eher die ökologisch orientierten Verkehrsteilnehmer. Aber für die hiesige Gegend ist das schon das geeignete Transportmittel. Kurz ausserhalb Puerto Natales sind die asphaltierten Strassen zu Ende und dann sind nur noch Schotterpisten anzutreffen. Zum Teil sind die Schlaglöcher so zahlreich und tief, dass man glaubt kurz zuvor wäre ein Streubomben Einsatz gewesen. Nun wie man sieht hat die Nummer schon etwas gelitten.
Die Bergkette ist unglaublich eindrücklich. Klar haben wir in der Schweiz auch Berge, aber der Unterschied hier ist, dass diese Schneeberge aus der Ebene herausragen. Typisch für Patagonien ist auch das Wetter: innert einer Stunde erlebt man alles von Sonnenschein über Sturmböen und Platzregen.
Zwischen den Bergen liegen grosse Seen. In einen, den Lago Gray ergiesst sich der Gray Gletscher. Mit einem Schiff kann man an die Abbruchstelle fahren. Der Gletscher ist ein Stück kleiner als der Pio XI den wir schon besucht haben, aber das kleine Schiff fährt viel näher heran. Es ist sehr eindrücklich das Farbenspiel im Eis bewundern zu können. Es ist nur schade, dass der Gletscher in vielleicht zehn bis zwanzig Jahren verschwunden ist!
Zum Glück hat es aber heute noch etwas Eis. So kann das chilenische Nationalgetränk, der Pisco Sour, mit Gletschereis genossen werden.
Hier noch ein Beispiel des chilenischen Humors. Das Schild am Ufer des Lago Gray weist darauf hin, dass hier baden verboten ist. Im Hintergrund sieht man die Eisberge im See treiben…





















































