Von Puerto Montt aus fahren wir gegen Norden. Valdivia liegt am Rio Valdiva. Dieser ist sehr breit und fliesst ein paar Kilometer südlich von Valdivia ins Meer. An der Mündung sind zahlreiche Festungen strategisch platziert und haben so einst die Einfahrt nach Valdiva geschützt. Im Castillo von Niebla, dem grössten Fort, zeigt ein kleines Museum wie die Spanier hier gelebt haben und wie die militärischen Anlagen ausgesehen haben.
Die Pazifikküste bei Valdivia ist nur über Schotterpisten erreichbar. Die Häuser sind weit verstreut, mit einer unglaublichen Aussicht auf die endlosen Sandstrände. Die Landschaft erinnert stark an „Big Sur“ in Kalifornien. Die hohen Pazifikwellen brechen sich an den felsigen Kaps oder laufen auf den breiten Sandstränden aus. Im Gegensatz zu Kalifornien sind die Strände aber fast leer und die „Beach Boys“ mit den Surfboards fehlen auch. – Ach ja, der Quadratmeterpreis eines solchen Beachgrundstücks ist unter CHF 10.–
Nun, wenden wir uns von der Küste ab und fahren in die „Chilenische Schweiz“. Also, um das gleich vorweg klar zu machen Es hat hier etwa ebenso viele Schweizer wie in der „Sächsischen Schweiz“. Aber die deutschen Einwanderer prägten die Gegend hier ganz offensichtlich. Wir haben hier im „Hotel am See“ den besten Kuchen (ja, das ist ein Chilenisch-Spanisches Wort) gegessen, und auf der Speisekarte ist Sauerkraut und Kasseler bestens vertreten. Und mein chilenisches Lieblingsbier ist das „Kunstmann“. Die Häuser sind schon fast über-Deutsch im Schwarzwaldstil mit Blumenkistchen vor den Fenstern. Die Feuerwehrautos sind von Deutschland gesponsert und das Gebäude ist angeschrieben „2. Feuerwehrkompanie gegründet 1911“.
Die Gegend hat aber viel mehr zu bieten, als nur eine billige Schwarzwald-Imitation. Nicht zu übersehen ist der Vulkan Villarrica. Das ist so ein richtiger Bilderbuch-Vulkan. Er überragt alle anderen Hügel in der Umgebung und sieht richtig hübsch aus mit seinem Zuckerguss. Ab und zu zeigt sich eine kleine Rauchwolke am Gipfel und kündet davon, dass er immer noch aktiv ist. 1971 hat eine Schlammlawine bei einem Ausbruch ein paar Häuser verschüttet. In den Dörfern rund um den Vulkan sind überall Evakuationsrouten ausgeschildert und am Gemeindehaus in Villarrica zeigt eine Ampel den „Zustand“ des Vulkans an (heute war sie grün). Der Vulkan steht im gleichnamigen Nationalpark. Wir haben eine Wanderung gemacht und sind den Vulkan ein Stück weit hoch geklettert. Für die Gipfelbesteigung hat’s nicht ganz gereicht.
Wo Vulkane sind, sind die Thermalquellen nicht weit. Rund ein Dutzend sind um den Villarrica herum zu finden. Meistens gehören sie zu einem Hotel, und sind mehr oder weniger einfach zu erreichen (gravel roads…). Wir klappern eine Stunde durch arg ausgewaschene Strassen bis wir in einem kleinen, abgelegenen Tal ankommen. Das Hotel ist ganz aus Holz gebaut und hat zwei Theramalbecken. Eines mit 37 Grad, das andere mit 40 Grad heissem Wasser. Beim Eintauchen in das zweite Bad kommt mir der Witz von den beiden Lobstern in den Sinn: ruft der eine dem schon im Kochtopf schwimmenden zu: „How’s the Water Bob?“
Überall verstreut in den Wäldern warten Wasserfälle darauf entdeckt zu werden. Ein beeindruckendes Exemplar mit einer Höhe von 73 Meter (!) haben wir per Zufall gefunden. Er war auf unserer Karte nicht verzeichnet und auch nicht gross ausgeschildert. Wir haben einige besucht und keiner war gleich wie der Andere. Der „Ojos del Caburgua“ ist als Wasserfall nicht so beeindruckend, aber das Becken in welches er sprudelt ist so klar und von so fein schattierten Blautönen, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt.
Im Nationalpark Conguillio, dessen Mittelpunkt ebenfalls ein noch aktiver Vulkan bildet, sind verschiedene Vegetationszonen zu erleben. Der Vulkan Llaima, der erst im Januar 2008 das letzte mal ausgebrochen ist, hat verschiedene Typen von Lavafeldern geschaffen. Das aller neuste ist ein zerklüftetes Gebirge aus harter, messerscharfer Lava. Daneben gibt es riesige Gebiete die aussehen als wären sie mit der Planierraupe plattgewalzt und aus grobem Kies bestehen. An den Vulkanhängen wachsen ab etwa 1200 Meter über Meer die Araukarien, urtümliche Bäume die wohl die Vorgänger unserer Nadelbäume sind. Die “Nadeln” sehen aus wie Schuppen und sind hart und scharf. Die Bäume sind vielleicht 20-25 Meter hoch mit mächtigen Stämmen.
… und das Beste zuletzt!
Auf vielseitigen Wunsch keine weiteren Autobilder mehr (obwohl ich natürlich noch die von unserem aktuellen Flitzer hätte) sondern der Beweis, dass ich nicht alleine unterwegs bin sondern eine treue Begleiterin bei allen Abenteuern habe.








Hoi zaeme
Sehnsuechtig habe ich taeglich nach Neuigkeiten geschaut.
Sehr schoene Bilder. Der Vulkan, die Baume und die Wasserfaelle sind so eindruecklich. Das muss in Natur super sein. Wie ich sehe,konnte sich Christine im Termal bad aufwaermen. Uebrigens schoen Dich zu sehen. Am wochenende war eine 1 stuendige Reisereportage von Patagonien am TV. War super.
Noch eine gute Reise. Liebs Gruessli, Lisa
Hoi zäme
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schöne wieder etwas von euch zu hören! Ihr werdet langsam etwas träge vom vielen Autofahren (oder vom Kuchen und Bier)? sonst hättet ihr den Spaziergang auf den Vulkanhügel wohl nicht vorzeitig abbrechen müssen
Liebe Grüsse Kurt