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Auf unserem Weg an die nördliche Grenze von Chile erleben wir gegensätzlichen Perspektiven des Landes, unterschiedlicher fast nicht möglich.
In der nähe von Arica, direkt an der peruanischen Grenze haben vor circa 7′000 Jahren Ureinwohner gelebt, die ihre Toten für die Bestattung einbalsamiert haben. Die noch erhaltenen Mumien sind die ältesten der Welt, älter noch als die Ägyptischen. Auf dem Bild ist die Mumie eines Fischers zu sehen, mit seinen Handwerksgegenständen als Grabbeigaben. Es ist erstaunlich wie gut die Textilien erhalten geblieben sind. Selbst die Farben der fein gewebten Kleider sind noch zu bestaunen.
Keramik und Waffen zur Jagd, sowie Kleidungsstücke und Schmuck sind im archäologischen Museum in Azapa Tal ausgestellt. Die Indianer wurden zur Zeit der spanischen Kolonialisierung dezimiert und sind heute als eigenständiges Volk verschwunden. Arica war ein wichtiger Hafen der Spanier. Hier wurde das Silber das in den Minen abgebaut wurde auf Schiffe verladen und auf den Weg nach Spanien geschickt.
Minen waren auch in einer anderen Epoche zentral: Salpeter war das “Gold” des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Als Beispiel dafür wurde die Salpetermine “Humberstone”, in der Nähe von Iquique erhalten. Heute ist sie im UNESCO Weltkulturerbe und als Museum zu besichtigen. Es ist kaum nachvollziehbar unter welchen Bedingungen die Menschen in diesen Minen gearbeitet haben. Hitze, Staub und giftige Substanzen haben das Leben der Arbeiter verkürzt.
Der Herstellungsprozess des Salpeters, vom Mahlen über die chemischen Prozess in den Becken ist immer noch gut zu sehen. Die Mine hatte eine eigene Strom- und Krafterzeugung. Hier ist das Herzstück einer (von zwei) Diesel zu sehen, made in Switzerland – Sulzer! Beim durchstreifen der Mine haben wir etwas ein beklemmendes Gefühl, oder wie Christine es formuliert: man hört noch das Stöhnen und Seufzen der gequälten Seelen der Arbeiter.
Hundertdreissig Kilometer südlich von Antofagasta, in den Küstenkordilleren liegt das europäische Observatorium “Paranal”. Die Organisation wird von vierzehn Staaten, darunter auch der Schweiz (hier arbeiten ihre Steuerfränkli…) getragen: ESO (European Southern Observatory). Das Observatorium liegt auf 2600 Meter über Meer, an einem Ort wo es gerade mal fünfzehn Tage im Jahr Wolken hat (Regen, Dunst und Staub gibt es dort nicht).
Vier grosse Teleskope (VLT – Very Large Telescope) der modernsten Bauart, mit 8 Meter Spiegeln können via Computer zu einem einzigen gigantischen Teleskop zusammengeschlossen werden und damit Bilder von bisher unerreichter Auflösung von weit entfernten Himmelskörpern aufgezeichnet werden.
Vor Ort arbeiten etwa 350 Techniker und Wissenschaftler. Das Hauptquartier ist in Garching bei München. Um den Mitarbeitern einen möglichst optimalen Arbeitsplatz zu bieten, die Leute arbeiten meist fünfzehn Tage am Stück und haben dann sechs Tage frei, wurde ein Hotel unter dem Boden errichtet. Nach oben ist eine transparente Kuppel der einzige Eintrittspunkt für Tageslicht. Da Fremdlicht für die Sternenbeobachtung störend ist, wird in der Nacht die ganze Kuppel mit einer Plane abgedeckt. Aussen ist in der Wüste keine Pflanze zu finden, innen ein Schwimmbad umrahmt von exotischen Bäumen.






